Verspielen wir Europas Zukunft? Diese Frage stand im Mittelpunkt des jüngsten „Pulheimer Generationengesprächs“, zu dem die Senioren Union und die Junge Union für den 26. November 2016 ins Schützenhaus eingeladen hatten. In den verschiedenen Beiträgen wurden die herausragenden Erfolge des Projekts „Europäische Union“ ebenso betont wie die Notwendigkeit, gemeinschaftliche Politik klarer als bisher auf gesamteuropäische Kernthemen – wie etwa Migration,  Gestaltung des internationalen Handels oder Sicherheit – auszurichten. Zugleich solle man den Mitgliedsstaaten mehr Verantwortung bei den Herausforderungen einräumen, die sie auf ihrer Ebene besser meistern können. Dem anti-europäischen Populismus wurde dagegen eine deutliche Absage erteilt: Ihm müsse man durch die Verbreitung von Fakten entschlossen entgegentreten.

In seiner Begrüßungsansprache verwies Siegbert Renner, Vorsitzender der Senioren Union auf eine verbreitete europaskeptische Stimmungslage: Die Entwicklung der EU werde von vielen Bürgerinnen und Bürgern eher negativ als positiv wahrgenommen. CDU-Vorsitzender Werner Theisen bekannte,  er habe die Anfänge der europäischen Einigung miterlebt und sich angesichts der außerordentlichen Erfolge des vereinten Europas nicht vorstellen können, dass Populisten allen Ernstes einen Rückfall in alte nationalstaatliche Zeiten planen. Tim Ingenhaag, neuer Vorsitzender der Jungen Union Pulheim, hob hervor, gerade für Jugendliche gebe es mit Blick auf Ausbildung und Arbeitsplätze gute Gründe, für Europa einzustehen.

Dr. Bernhard Worms, langjähriger Vorsitzender der Europäischen Senioren Union, forderte in seiner Ansprache, den Zusammenhalt Europas dadurch zu stärken, dass alle europäischen Institutionen demokratisch legitimiert werden: „Derzeit haben nur das Parlament und abgeleitet der Kommissionspräsident eine vom Volk abgeleitete  Legitimation – alle anderen Institutionen dagegen noch nicht.“ Zudem sprach sich Worms dafür aus, die Aufgabenteilung zwischen den EU-Institutionen und den einzelnen Mitgliedstaaten stärker nach dem Prinzip Subsidiarität (Vorrang der unteren Entscheidungsebenen bei Aufgaben, die sie besser lösen können) auszurichten.

Siegfried Muresan, 35-jähriger Europa-Abgeordneter aus Rumänien, sah keine vernünftige Alternative zum vereinten Europa. Nur so ließen sich große grenzübergreifende Herausforderungen wie Klimawandel, Terror oder Energieversorgung meistern. Ausführlich setzte sich Muresan mit dem Phänomen des Populismus auseinander. Den Befürwortern der Abschottung müsse man mit klaren Fakten entgegentreten: So sichere der internationale Handel Arbeitsplätze – gerade in einem Land wie der Bundesrepublik, die rund 40% ihres Wohlstands im Export verdiene. Zugleich müsse man sich aber stärker als bisher den weniger Qualifizierten zuwenden, deren Arbeitsplätze durch die neue internationale Arbeitsteilung in Gefahr gerieten. Eine Bildungsoffensive sei die richtige Antwort zur Schaffung neuer, qualifizierter Arbeitsplätze.

Einen zweiten Schwerpunkt seiner Ausführungen legte Muresan auf die Flüchtlingskrise, auf die es nur eine gesamteuropäische Antwort geben könne. Die kategorische Weigerung von Staaten aus Mittel- und Osteuropa, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen, sei falsch – auch wenn man berücksichtigen müsse, dass diese Länder bislang keine Erfahrungen mit der Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen sammeln konnten. Darüber hinaus plädierte der rumänische Europa-Abgeordnete dafür, Länder wie Jordanien oder den Libanon, die im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl die meisten Flüchtlinge aufgenommen haben, deutlich stärker zu unterstützen. Zum Abschluss seiner mit viel Beifall bedachten Rede rief Muresan dazu auf, mehr denn je für den europäischen Gedanken zu kämpfen, die enormen Potentiale der europäischen Einigung eingehend zu erklären und dabei ganz besonders der jungen Generation Antworten auf drängende Fragen wie Mobilität, Digitalisierung und den Wandel der Arbeitswelt zu geben.

Ein zentraler Punkt der abschließenden Diskussion, die von Markus Lingen (Konrad Adenauer Stiftung) geleitet wurde, war die Frage, wie weit die europäische Integration gehen sollte und wie die Aufgabenteilung der europäischen Institutionen mit den einzelnen Staaten aussehen sollte. Dabei bestand Einigkeit darin, dass Wirtschaft/Handel, Verteidigung/Sicherheit und Rechtspolitik die zentralen Bereiche sind, in denen der Mehrwert der Europäischen Union besonders deutlich wird.


Referenten Werner Theisen (CDU-Vorsitzender), Markus Lingen (Konrad-Adenauer-Stiftung), Dr. Bernhard Worms (Staatssekretär a.D.), Siegfried Muresan (Europaabgeordneter aus Rumänien), Tim Ingenhaag (Vorsitzender der JU Pulheim)


aufmerksames Auditorium


Siegfried Muresan bei seiner  leidenschaftlichen Rede für Europa