Im Rahmen der Studienfahrt „Bayern in der NS-Zeit“ hatten 33 Pulheimer Seniorinnen und Senioren vom 16. bis 19. März 2015 die Möglichkeit, sich intensiv mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Bayerns auseinanderzusetzen. Den Teilnehmenden wurden an den Gedenkstätten und Erinnerungsorten in Nürnberg, Dachau und München die verschiedenen Aspekte der totalitären Herrschaft des NS-Staates vermittelt. Hierbei standen die NS-Ideologie, die NS-Propaganda und das NS-Terrorsystem im Mittelpunkt. Darüber hinaus wurden auch Formen und Akteure des Widerstands gegen das NS-Regime sowie die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit im Verlauf der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse beleuchtet und diskutiert.

Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmern hatten in der Schule nichts  über das nationalsozialistische Regime erfahren, weil dieses Thema nach dem Krieg  tot geschwiegen wurde. An Ort und Stelle erlebten sie nun, wo die Reichsparteitage von 1933 bis 1938 stattfanden, die zur Selbstdarstellung der NSDAP und des „Führer-Mythos“ inszeniert wurden und mit Massenaufmärschen, militärischen Darbietungen und Ritualen, Reden, Propagandaausstellungen, Volksfesten, Feuerwerken sowie Konzerten und Opernaufführungen die Gefühle der Teilnehmer und  Zuschauer ansprach. Die Verführung der Massen durch die NS-Propaganda konnte man jetzt nachvollziehen. 

Zeppelinfeld auf dem Reichparteitagsgelände in Nürnberg

Der Besuch des Konzentrationslagers in Dachau, das als Modell für alle späteren Konzentrationslager diente, wird in beklemmender Erinnerung bleiben. In den zwölf Jahren seines Bestehens waren hier über 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert und 41.500 ermordet worden. Lange vor Kriegsausbruch kam das geflügelte Wort auf: „Lieber Gott, mach´ mich stumm, dass ich nicht nach Dachau kumm´!“ 

Konzentrationslager Dachau Barackenfeld mit großer Gefangenenstraße

Den wenigsten war bewusst, dass 1919/20 München der Gründungsort der NSDAP und bis 1945 Sitz ihrer Reichsleitung war. Seit 1935 trug München den Titel „Hauptstadt der Bewegung“. Hier wurden rassistische und militärische Angriffsprogramme entworfen, die Ausschaltung der politischen Opposition und die systematische Verfolgung des Judentums in Gang gesetzt.  Im ersten Stock des Hofbräuhaus hielt 1918 Adolf Hitler im Festsaal seine erste Rede und erprobte hier seine rhetorischen Fähigkeiten.
Den Abschluss der Studienfahrt bildete die Besichtigung des Schwurgerichtsaales im Nürnberger Justizpalast. Dieser Informationsbesuch mit kommentierter Führung und Diskussion diente zur Aufarbeitung der NS-Verbrechen. 

Im Nürnberger Justizpalast

Der Vorsitzende der Senioren-Union, Siegbert Renner, meint am Ende der Studienfahrt: „Das lebenslange Lernen ist Ansporn und Auftrag. Nur so können ältere Menschen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.“